Philipp Drexler
Jägerzaun
Garderobe
2011
Pulverbeschichteter
Rundstahl
90 × 60 × 15 cm
Wer Philipp Drexlers Garderobe Jägerzaun als eine nostalgische Reminiszenz an die berühmt berüchtigte Einfriedung deutscher Einfamilienhausgrundstücke interpretiert, liegt ziemlich daneben. Denn Drexlers, in Stahldrähte aufgelöstes Zaunstück von 90 x 60 x 15 cm nutzt allenfalls das klassische Erscheinungsbild dieses folkloristisch verklärten Icons, hat aber ansonsten wenig mit dem Thema Zaun zu tun. In Wahrheit geht es Philipp Drexler um den immer wieder zu beobachtenden Angewohnheit vereinzelter Zeitgenossen, ihre nicht mehr zu gebrauchenden Altlasten sozusagen im Vorbeigehen in die rautenartigen „Gefächer“ dieser Umzäunung einzuklemmen. Und genau hier setzt Drexler mit seiner filigranen Transformation an. Denn die hier angebotene Auflösung in Winkel, Haken und Linien bietet eine weit größere Anzahl von Verstauungsmöglichkeiten, als sie der „richtige“ Jägerzaun jemals bieten könnte.
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Martha Schwindling
Clerk
Tisch
2010
Ulmenholz, Linoleum
90 × 120 × 70 cm
Die Raffinesse von Martha Schwindlings Tisch clerk stellt sich dadurch ein, dass seine mobilen Bestandteile über ein eigens entwickeltes Filmscharnier beinahe unsichtbar zusammengefügt sind: Multifunktionalität wird hier nicht zum Fetisch, sondern in den Dienst der Sache gestellt. Optisch so von Hinweisen auf sein mehrfache Funktionalität befreit, stellt der Tisch offen wie geschlossen eine gleicher massen selbstverständliche, ausgewogene Erscheinung dar. In seiner geöffneten, vermeintlich praktischeren Einsatzform präsentiert er sich als ein perfektes Arbeits- und Ordnungsmöbel, wird der Tisch über seine Kipplade geschlossen, was für gewöhnlich durch das Wiederherstellen von aufgeräumter Ordnung motiviert ist, ist er nur noch Tisch, Tisch, Tisch: Eine vollwertige, völlig neutral plane Arbeits- und Kommunikationsfläche für einen oder mehrere Benutzer.
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Christian Klotz
4zig5zig
Hocker
2009
Eiche gezinkt (lasiert)
40 × 60 × 15 cm
Unsere Vorstellungen vom archetypischen Stuhl werden primär von zwei, mehr oder weniger feststehenden Determinanten geprägt: zum Einen von der Konfiguration, einem stufenartigen Konstrukt bestehend aus einer tischartigen Fläche, und einer, eine Seite dieser Fläche um etwa das Doppelte überragenden „Wand“, die als Rücken lehne fungiert und der Propotionierung dieser Komposition. Was die Konfiguration anbelangt, so erfüllt Christian Klotz Stuhl 4zig5zig unsere Erwartungen voll und ganz: Lehne und Sitzfläche entsprechen sehr genau dem beschriebenen Muster. Anders hingegen sieht es mit den Proportionen aus. Denn Klotz verschlankt sowohl Sitzfläche als auch Rückenlehne auf ein extremes Minimum Aber: der Stuhl funktioniert perfekt: Vielleicht erfüllt er nicht unsere Erwartungen an Komfort, aber als Möbel, als „Werkzeug“ zum kurzen, zum bewegten Sitzen eignet er sich ideal, ja, man kann sagen, dass hier eine sehr zeitgemäße Vorstellung vom Sitzen definiert wird.
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Philipp Scholz
Lehner
Mehrfachsteckdose
2008
Buchenholz
Mehrfachsteckdose
160 x 40 x 7 cm
Die Mehrfachsteckerleiste zählt gemeinhin nicht gerade zu den Schmuckstücken des Designs. Ihre Gestaltung ist mehr oder weniger von rein praktischen Erwägungen geprägt, und ist sie erst einmal in den häuslichen Kabelsalat eingearbeitet, versucht man sie dezent in der Wohnkulisse zu verstecken — und wie das aussieht, ist hinreichend bekannt. Exakt hier setzen die Überlegungen von Philipp Scholz an, der seine Steckerleiste bewusst ins Blickfeld rückt: Zum Einen wählt er ein völlig anderes Material — Holz —, zum Anderen stattet er dieses als Rundholz geformte Gehäuse mit einem Besen-, besser: Steckerstiel aus, an dessen oberem Ende sich zudem der Schalter für diese Kabelstation befindet. Das ist äußerst praktisch — und sieht weit besser aus, als die plastilinen braunweißschwarzen Kunststoffleisten.
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7xStool / Roboterperformance
Der stapelbare Hocker 7Xstool wird von einem Industrieroboter mit einer Kettensäge direkt aus einem Baumstamm geschnitten. Dieser ungewöhnliche Produktionsprozess wurde von Tom Pawlofsky entwickelt und ermöglicht die Umsetzung des zusammen mit Tibor Weissmahr entworfenen Hockers. Die durch ihre Rinde, Maserung und Äste unterschiedlichen Baumstämme machen jeden Hocker zu einem Unikat. Durch raffinierte Anlage der Sägewege erreichen die beiden Alumni der HfG Karlsruhe eine nahezu verschnittfreie Produktion. Der Motorsägen-Roboter wird in täglichen Performances auf den Millimeter genau Hocker sägen, die vom Publikum direkt erworben werden können.
Echtwald
Wald statt Plantagen
Das Ziel von ECHTWALD ist die Aufwertung von Wald durch aktive Renaturierung. In diesem Jahr haben wir in zwei Waldgebieten nahe Freiburg, der Burg Wiesneck und dem Frauensteig, haben wir mit der Arbeit begonnen.
Zur Unterstützung dieses Zieles hat ECHTWALD in Kooperation mit regionalen Produzenten ein Produktprogramm entwickelt, dass über www.echtwaldshop.com angeboten wird und dessen Erlöse dem ECHTWALD zu Gute kommen. Wir bieten Ihnen eine wachsende Zahl von Produkten an, die wir – wo immer es geht – aus der Region einkaufen, in der ECHTWALD aktiv ist. Derzeit ist dies die Region Schwarzwald mit dem benachbarten Breisgau, dem Markgräfler Land und dem Kaiserstuhl. ECHTWALD will auch Handwerker, Landwirte, Gastronomen und Produzenten in der Region stärken. Weil ECHTWALD davon überzeugt ist, das wir eine Wertschöpfungskette entwickeln, die die Region, in der ECHTWALD existiert, stärkt und nachhaltig zusätzliche ökonomische Perspektiven entwickelt, freuen wir uns, das diese Produkte, sehr positive Resonanz finden. Eine exklusive Auswahl ist zum Beispiel bei Andreas Murkudis in Berlin zu sehen.
Wir freuen uns jetzt mit Kkaarrllss für ECHTWALD den nächsten Schritt gehen zu können und exklusive angewandte Kunst, hochwertiges Design, entwickelt von jungen europäischen Designern, die alle an der HfG Karlsruhe studiert haben, vorstellen zu können. Der Plattform Kkaarrllss ist es gelungen, die Ausbildung zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, die aus der HfG Karlruhe direkt zum Endverbraucher führt. Kkaarrllss ist eine außerordentliche Talentschmiede die nationale und internationale Aufmerksamkeit findet und gleichsam „am Fuße des ECHTWALDES“ arbeitet. Wir jedenfalls haben uns dafür begeistert, mit jungen Köpfen etwas für das langfristig nachhaltige Projekt ECHTWALD entwickeln zu dürfen. Die Produkte, die wir hier mit Kkaarrllss für ECHTWALD vorstellen, zeichnen sich durch Witz, Klarheit, Innovation und einen radikal anderen Umgang mit alltäglichem Holz aus. Wir danken Prof. Volker Albus und Stefan Legner, dass sie dem ECHTWALD eine Tür zum Design von morgen öffnen!
ECHTWALD wurde von Rat für Nachhaltigkeit mit dem Qualitätslabel Werkstatt N-Projekt 2011 und als Ausgewählter Ort 2011 im Wettbewerb Deutschland Land der Ideen ausgezeichnet.
kkaarrlls
für ECHTWALD
Als wir im Jahr 2008 kkaarrlls gründeten, taten wir das nicht in der Absicht, eine neue Marke zu etablieren. Wir taten das vielmehr, um ganz bestimmte Aspekte der Arbeit unserer Hochschule wirksamer darzustellen. Gut, dank Internet und Homepages, dank Jahresschauen und -berichten hat sich in den letzten Jahren gerade in dieser Hinsicht einiges getan. Aber alles in allem handelt es sich bei diesen kommunikativen Unternehmungen um mehr oder weniger klassisch geprägte, insgesamt eher defensiv angelegte Aktivitäten. Das heißt, man muss sie als Außenstehender regelrecht suchen - und das gilt gleichermaßen für die virtuellen wie für die realen Performances. Mit kkaarrlls gehen wir, ähnlich der ECAL, dem RCA oder der DAE einen diametral anderen Weg: Wir warten nicht bis jemand zu uns kommt (oder zufällig auf uns trifft), sondern wir gehen aus der Schule heraus. Und zwar direkt auf die großen Marktplätze. Wir tun das, weil wir der festen Überzeugung sind, dass es die Arbeit unserer Studenten, zumal in der Leistungsspitze, verdient hat, über eine einmalige Präsentation anläßlich einer Diplomprüfung oder einer Jahresschau hinaus einem größeren Publikumskreis vorgestellt zu werden - und das sowohl zeitlich als auch örtlich. Wir setzen also genau an einem der wenigen, aber letztendlich relativ bedeutenden Schwachpunkt des Systems Hochschule an: an der sehr diskreten, um nicht zu sagen: introvertierten Kommunikation des studentischen Leistungsvermögens. Nun geht es nicht darum, solche Zäsuren generell auszuhebeln - sie liegen in der Natur der Sache und sind unausweichlich, aber auch absolut notwendig. Gleichwohl erscheint es uns angebracht, diesen Moment des Abschlusses nicht nur urkundlich in Form des Diploms zu würdigen, sondern darüber hinaus, auch das eigentliche Potential der studentischen Arbeit in adäquaten Formaten darzustellen. kkaarrlls versteht sich somit als Übergang, als Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen „Trainingslager“ und realem Wettbewerb. Mit der in diesem Jahr eingegangenen Partnerschaft mit ECHTWALD wird diese Zielsetzung im Hinblick auf die Facette Wettbewerb nun erstmals konkretisiert. Philipp Drexlers Jägerzaun, Christian Klotz’ 4zig5zig, Philipp Scholz’ Lehner und Martha Schwindlings Clerk bilden das Permierenteam einer aus unserer Sicht idealen Kooperation. Ideal deshalb, weil dieser Partner von der gleichen Maxime wie wir ausgeht: Qualität. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle; aber er spielt eben nicht die entscheidende Rolle. Er kann es eigentlich auch gar nicht, weil es sich bei diesen Objekten nicht um eingängige Durchschnittslösungen, sondern um sehr spezielle, gleichwohl perfekt funktionierende Alternativlösungen ganz alltäglicher Problemstellungen handelt. Und genau um diese Sicht auf die Dingwelt einem breiteren Publikum nahezubringen, ist kkaarrlls angetreten. Und offensichtlich nicht nur kkaarrlls.